Multiples Myelom

Fragen und Antworten zum Umgang mit der Erkrankung

Die Diagnose multiples Myelom kann Ihr Leben von einem auf den anderen Tag komplett verändern. Um von Anfang an richtig mit der Diagnose und ihren Folgen umzugehen, ist es wichtig, dass Sie sich für die Verarbeitung der Diagnose genügend Zeit nehmen und zu all Ihren Fragen bezüglich der Krankheit, Therapieoptionen und sonstigen Maßnahmen Antworten bekommen. Denn ein informierter und aktiver Patient ist die Voraussetzung für eine gute Arzt-Patienten-Beziehung und eine erfolgreiche Behandlung.

 

Mit der Diagnose ändert sich nicht nur Ihr Leben, sondern auch das Ihres Umfelds. Denn auch Ihre Familie und Ihre Freunde müssen sich mit der Diagnose und ihren Folgen auseinandersetzen. Wann und wie Sie es Ihrem Umfeld sagen, ist natürlich ganz Ihnen überlassen. Wichtig ist jedoch, dass Sie es Freunden und Familie überhaupt mitteilen, damit ein offener und vertrauensvoller Umgang stattfinden kann. Das Gespräch mit der Familie oder Freunden kann durch die Hilfe eines Arztes oder vielleicht auch eines Psychotherapeuten unterstützt werden.

ALS BETROFFENER

Welche Empfehlungen in Bezug auf die Ernährung während und nach der Therapie gibt es?

Empfohlen ist eine ausgewogene Ernährung, inklusive Obst und Gemüse. Wichtig ist, dass Sie sich ausreichend ernähren und sich nicht, indem Sie auf alles verzichten, was mutmaßlich schädlich sein könnte, mangelhaft ernähren. Das heißt, dass Sie sich auch mal etwas gönnen können und nicht auf alles verzichten müssen, was Ihnen schmeckt. Unter der Therapie sollten Sie sich mit Alkohol zurückhalten, da manche Medikamente über die Leber abgebaut werden, d. h. diese zusätzlich belasten. (HS)

Welchen Einfluss kann Sport und Bewegung während und nach der Therapie auf den Verlauf der Erkrankung haben, speziell auf das Rezidivrisiko?

Sport ist sehr günstig im Rahmen der Erkrankung und der Therapie. Das größte Risiko beim MM sind Infektionen, z. B. der Lunge, die lebensgefährlich sein können. Beim Sport wird die Lunge besser belüftet und das Risiko für solche Infektionen kann sinken. Dies ist ein wichtiges Argument für den Sport, auch wenn dieser selbst den Rückfall der Erkrankung nicht nachweislich beeinflusst. (HS)

Was sind die wichtigsten Gebote und Verbote, wenn ich wieder zu Hause bin?

Zunächst gibt es höchst unterschiedliche Phasen der Erkrankung. Empfehlungen zur Infektionsvermeidung unmittelbar nach der Stammzelltransplantation sind weitreichender, als wenn die Erkrankung erfolgreich behandelt ist. Sinnvoll ist es z. B. Schimmelpilze zu meiden, die sich im Biomüll oder Laub befinden können, aber auch in Staub, der bei Umbaumaßnahmen entsteht. Mit Haustieren ist es schwierig, da von Katzen und Vögeln Infektionen ausgehen können. Zumindest so viel: wenn Sie bisher noch keine Vögel oder Katzen hatten, dann schaffen Sie sich bitte auch keine an. Wenn Sie öffentliche Verkehrsmittel nutzen oder Besuch hatten, der vielleicht auch noch erkältet war, desinfizieren Sie sich die Hände und eventuell die Türklinken. Darüber hinaus vermeiden Sie Wasserdämpfe in Schwimmbädern o. Ä., da dort, wenn auch selten, manchmal Krankheitserreger lauern, die bei MM-Patienten eine Lungenentzündung auslösen können. Wichtig ist, dass Sie sich ausreichend ernähren, damit kein Mangel entsteht, weder an Vitaminen noch an Kalorien. Dazu sind in der Regel keine künstlichen Nahrungsergänzungsmittel notwendig, sondern einfach eine ausgewogene Ernährung, die Ihnen schmeckt. Bezüglich sonstiger „Schadstoffe“ sollten Sie genauso vorsichtig sein, wie Menschen ohne MM. Das Wichtigste ist die Vermeidung von Infektionen mit o. g. Maßnahmen und sportliche Aktivität entsprechend der Belastbarkeit Ihres Skelettsystems. (HS)

Darf oder kann ich weiterhin Auto fahren?

Grundsätzlich kann die Chemotherapie, Begleitmedikamente und insbesondere Morphium die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen. Wenn keine Therapie erfolgt oder die Morphiumtherapie seit längerem stabil ist und Sie keinen Schwindel o. Ä. verspüren ist Autofahren denkbar. Sprechen Sie aber unbedingt mit Ihrem Arzt, der das Morphium verschreibt, bevor Sie Autofahren. (HS)

Was kann ich tun, um meine Lebensqualität zu erhalten und die Prognose zu verbessern?

Die Prognose verbessern Sie, wenn Sie Infektionen vermeiden, wenn Sie eine Infektion haben, diese umgehend behandeln lassen und die Therapie so einnehmen, wie Ihr Arzt empfiehlt. Die Lebensqualität verbessern können Sie, indem Sie frühzeitig mit Ihrem Arzt sprechen, wenn Sie Nebenwirkungen oder Bedenken wegen der Therapie haben. Darüber hinaus hilft eine ausgewogene Ernährung, sportliche Betätigung, Gedächtnistraining und psychologische Unterstützung, z. B. durch den Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen.

 

Die Lebenserwartung vieler Patienten beträgt heutzutage viele Jahre. Versuchen Sie vielleicht auch mit entsprechenden Freizeitaktivitäten mal an etwas ganz anderes zu denken. (HS)

Was kann ich tun, um ein Rezidiv zu verhindern?

Die oben genannten Maßnahmen sind leider auch keine Garantie dafür, dass Sie kein Rezidiv bekommen. Das Wichtigste ist, dass Sie die Ihnen verschriebene Therapie so einnehmen, wie Ihr Arzt Ihnen das empfohlen hat. Wenn Sie wegen Nebenwirkungen oder anderen Dingen Bedenken haben, sprechen Sie mit Ihrem Arzt, damit er die Therapie gegebenenfalls ändern kann. (HS)

Passe ich mein Leben der Therapie an oder die Therapie meinem Leben?

Es kann Phasen in der Behandlung geben, in denen Aktivitäten des bisherigen Lebens (wie z. B. Arbeit, Sport, Freunde treffen usw.) nicht möglich sind und Sie pausieren müssen. Dennoch ist es wichtig, diese Aktivitäten nicht gänzlich aufzugeben, sondern sobald möglich, erneut aufzunehmen. Vielleicht kommen auch andere Dinge hinzu (für die man vorher keine Zeit hatte). Positive Aktivitäten sind eine wichtige Form der Stressbewältigung und führen zu einer Steigerung der Lebensqualität. Daher ist die (Wieder-)Aufnahme angenehmer Aktivitäten ein guter Weg, um emotionale Stabilität wiederzuerlangen. Hierbei ist es wichtig, realistische Erwartungen zu entwickeln: „Was ist unter den gegebenen (körperlichen) Umständen möglich?“ Versuche, die gleichen Aktivitäten in der gleichen Intensität wie vor der Erkrankung (z. B. im sportlichen Bereich und Leistungsbereich im Arbeitskontext) zu erreichen, können zu Frustration und Enttäuschung führen. Besser ist es, im Rahmen des Möglichen zu bleiben und eventuell neue Dinge aufzunehmen. Dies kann dazu führen, dass Lebenspläne verändert werden müssen. (TZ)

Ich habe sexuelle Probleme durch die Therapie. Schäme mich und habe Angst meinen Partner zu verlieren. Was kann ich machen?

Die Krebserkrankung und ihre Behandlungen haben häufig auch negative Auswirkungen auf die Sexualität. Sexualität, wie vor der Erkrankung, ist vielleicht für einen gewissen Zeitraum (z. B. während einer Chemotherapie) oder aber auch dauerhaft nicht mehr möglich. Dies führt zu Verunsicherung und Unzufriedenheit in der Partnerschaft. Auch Angst und Scham treten häufig auf.

Es ist sehr wichtig, dass Sie als Paar auch über dieses Thema miteinander sprechen. Wenn Sie Ihre Ängste und Wünsche in Bezug auf die Sexualität nicht offen äußern, kann es zu Missverständnissen kommen. Die Behandlung kann Einfluss auf Ihre Lust oder Ihre sexuelle Funktionsfähigkeit haben. Offen mit dem Partner darüber zu sprechen, kann Missverständnisse („Der andere interessiert sich nicht mehr für mich.“) oder auch Ängste („Wenn wir nicht mehr miteinander schlafen, wird mein Partner mich verlassen.“) abbauen.

 

Gerade in Krisenzeiten kann Zärtlichkeit und körperliche Zuwendung eine viel höhere Bedeutung haben als Sexualität. Insbesondere wenn längere Zeit kein Körperkontakt mehr stattgefunden hat, kann durch Zärtlichkeit und körperliche Nähe wieder zueinander gefunden werden. Im Umgang mit Scham kann das langsame Entdecken des neuen Körpers hilfreich sein. Welche Körperstellen erleben Sie selbst als angenehm, ansehnlich oder erogen? Dies kann auch dem Partner helfen, schmerzhafte Berührungen zu vermeiden und bei Funktionsverlusten gemeinsam nach neuen Wegen von sexuellem Erleben und Befriedigung zu suchen.

 

Darüber hinaus können Gespräche mit dem Arzt dabei helfen zu klären, welche Veränderungen unabänderlich sind, welche behandelt werden können und welche sich von alleine zurückbilden. (TZ)

Ich finde nicht mehr ins Leben zurück – vier Therapien in drei Jahren, keine Remission, keine Lebensqualität, ich bin am Ende. Was ist das für ein Leben?

Eine Krebsdiagnose und die Behandlung sind für die meisten Menschen ein tiefer Einschnitt in das eigene Leben. Häufige Reaktionen sind Traurigkeit, Niedergeschlagenheit, Verzweiflung, depressive Verstimmung bis hin zur Depression. Insbesondere eine Depression kann mit innerer Leere und dem Gefühl von Hilf- und Hoffnungslosigkeit einhergehen. Da Sie mit vielen Dingen und Situationen umgehen müssen, die sehr beängstigend und bedrohlich erscheinen, sind diese Gefühle sehr häufig. Wenn man sich niedergeschlagen fühlt, zieht man sich häufig auch mehr zurück und „igelt“ sich ein. Dieses Verhalten kann allerdings weitere negative Gedanken wie z. B. „Ich komme damit nicht klar, ich bin am Ende“ fördern und somit zu einer Verstärkung von Gefühlen wie Depressivität und Niedergeschlagenheit führen.

 

Auch wenn es in dieser Situation schwerfällt, ist es wichtig, diesen Kreislauf zu durchbrechen, indem Sie aktiv werden und Dinge tun, die andere (angenehme) Gefühle hervorrufen und Sie somit auch auf andere Gedanken bringen. Dies können Kleinigkeiten wie ein Spaziergang, ein Bummel durch die Stadt, ein Treffen mit Freunden usw. sein. Setzen Sie sich dabei realistische (machbare) und lieber kleinere Ziele. Es ist ganz normal auch Tage zu erleben, an denen Sie das Gefühl haben „durchzuhängen“ oder „sich zu nichts aufraffen zu können“. Akzeptieren Sie auch die schlechten Tage – ohne schlechtes Gewissen oder Schuldgefühle. Sollten die depressiven Symptome stärker werden oder länger anhalten, sollten Sie psychologische Unterstützung in Anspruch nehmen. (TZ)

Mein Leben hat sich durch die Krankheit völlig verändert. Ich bin äußerlich wie innerlich nicht mehr der, der ich einmal war. Wie soll ich damit umgehen?

Es ist völlig normal, dass sich durch die Erkrankung und Behandlung Dinge verändert haben. Dies kann zu Unzufriedenheit und Verzweiflung führen. Für den Umgang mit diesen Veränderungen ist es wichtig, diese wahrzunehmen. Dazu gehört auch, nicht nur auf die Dinge zu blicken, die sich verändert haben, sondern auch die Anteile zu betrachten, die gesund sind. Welche Dinge sind trotz der Erkrankung möglich? Achten Sie darauf, die Messlatte nicht zu hoch zu setzen. Wenn Sie Ihren aktuellen Zustand mit dem vor der Erkrankung vergleichen, kann dies zu Enttäuschung und Niedergeschlagenheit führen. Setzen Sie sich realistische Ziele, die erreichbar sind. Kleine Schritte sind dabei hilfreich, um wieder Selbstvertrauen aufzubauen und Enttäuschungen zu reduzieren.

 

Akzeptieren Sie die Situation und auch Ihren veränderten Körper so wie es ist und konzentrieren Sie sich auf kleine Fortschritte und Dinge, die Sie trotzdem oder gerade jetzt tun können (weil Sie vielleicht mehr Zeit haben als vorher). (TZ)

Ich merke, dass meine Familie am Ende der Belastbarkeit ist. Das wiederum belastet mich. Wir können uns nicht über unsere Sorgen austauschen. Jeder will den anderen schonen. Wie soll ich reagieren? Ich habe Schuldgefühle!

Eine Krebserkrankung belastet nicht nur die erkrankte Person, sondern auch das familiäre Umfeld. Konflikte zu vermeiden oder Versuche, den anderen zu schonen, sind normale Reaktionen auf diese Belastung. Auch Eltern möchten ihre Kinder schonen und sprechen deshalb nicht über die Erkrankung. Dennoch ist es im Umgang mit dieser Belastung wichtig, das offene Gespräch zu suchen. Oft fällt es den Angehörigen schwerer, dem Patienten ihre Ängste und Sorgen mitzuteilen – auch aus Rücksichtnahme („Ich möchte den anderen nicht noch mit meinen Ängsten und Sorgen belasten.“). Daher kann es hilfreich sein, wenn Sie als Patient nachfragen oder auch offen von Ihren Sorgen sprechen. Insbesondere für Kinder ist es wichtig zu wissen, dass die Erkrankung kein Tabuthema ist, sondern dass offen darüber gesprochen werden kann und auch Fragen gestellt werden dürfen. Hier ist es jedoch Aufgabe der Eltern, diese Bedingungen herzustellen. Fragen Sie nach, wie es den Kindern geht, wie sie sich fühlen. Für Kinder kann es auch entlastend und stabilisierend sein, wenn ihr Alltag trotz der Erkrankung weitgehend gleich bleibt. Versuchen Sie Familienrituale wie Essenszeiten, Zu-Bett-geh-Rituale, Geburtstagsfeiern oder Feiertage beizubehalten. (TZ)

Kann ich je wieder arbeiten gehen? Für meine Familie sorgen? Ich habe Angst alles zu verlieren. Was bringt mir eine Therapie, wenn alles andere zerbricht? Ich dachte sogar daran, Schluss zu machen ...

Die Erkrankung beinhaltet häufig auch Verluste – z. B. Verlust von Zukunftsplänen oder existenzielle Sorgen. Es ist ganz normal, darauf niedergeschlagen oder traurig zu reagieren. Dies kann auch soweit gehen, dass sich eine Depression entwickelt. Eine Depression ist kein Zeichen von persönlichem Versagen, Unfähigkeit, mit der Erkrankung umzugehen oder Schwäche und kann in der Regel erfolgreich behandelt werden. Ein erster Schritt ist, sich jemandem anzuvertrauen und geeignete Hilfe zu suchen, z. B. bei einem Psychologen, Psychoonkologen oder Psychiater. Insbesondere bei lebensmüden Gedanken sind Gespräche mit einem Fachmann wichtig. Wenn diese Gedanken bei Ihnen gehäuft auftreten oder Sie sich schon Gedanken über das konkrete Durchführen eines Suizides gemacht haben, sollten Sie umgehend professionelle Hilfe suchen. Psychotherapeutische Gespräche können Ihnen dabei helfen, Belastungen, Ursachen und aufrechterhaltende Faktoren einer Depression zu besprechen und zu behandeln. Auch eine medikamentösen (Mit-)Behandlung ist möglich. (TZ)

ALS ANGEHÖRIGER

Was ist ideales Verhalten gegenüber dem erkrankten Partner?

Eine ganze Reihe von Studien zeigt, dass die jeweiligen Partner die wichtigste Quelle praktischer und emotionaler Unterstützung für die Patienten darstellen. Viele Angehörige fühlen sich hilflos, weil sie den anderen leiden sehen und nicht wissen, wie sie am besten unterstützen können. Die Frage nach dem „Wie“ oder der „richtigen“ Unterstützung kommt sehr häufig vor. Dabei ist zu berücksichtigen, dass es kein allgemeingültiges Rezept für die „richtige“ Unterstützung gibt. Es gibt jedoch zwei Arten, wie man unterstützen kann: praktisch und emotional.

Bei der praktischen Unterstützung geht es darum, etwas für den anderen zu tun, wie z. B. Informationen einholen, Aufgaben übernehmen, Ratschläge geben usw. Die emotio­nale Unterstützung beinhaltet das „miteinander reden“, wie z. B. „Mut machen“, „Interesse für die Belastung des anderen zeigen“, „sich solidarisieren“, aber auch Körperkontakt und Zärtlichkeiten. Insbesondere bei der emotionalen Unterstützung steht das miteinander sprechen im Vordergrund. Es geht nicht darum, Ratschläge oder Lösungen zu finden. Viele Situationen im Rahmen einer Krebserkrankung lassen sich nicht immer lösen. Das gemeinsame „Aushalten“ dieser Situationen ist eine sehr hilfreiche Unterstützung. Hier kann z. B. das „In-den-Armnehmen“ wirkungsvoller sein, als zu beschwichtigen oder Lösungsideen zu präsentieren.

Es ist nicht immer einfach zu wissen, womit man den anderen unterstützen kann. Auch wenn sich Paare in der Regel gut kennen, kann es sein, dass Dinge, die sonst hilfreich waren, in dieser Situation nicht wirken oder verändert werden müssen. Wenn Sie sicher gehen wollen, dass Ihre Unterstützung auch hilfreich ist, sollten Sie den anderen fragen, was ihm guttut, womit Sie ihn entlasten können oder welche Aufgaben Sie übernehmen können. (TZ)

Wie viel „Mitleiden“ ist sinnvoll? Wann ist Abgrenzung sinnvoll?

Auch die Angehörigen von Krebspatienten sind durch die Krebserkrankung belastet. Manchmal ähnlich stark wie die Patienten, manchmal etwas weniger, manchmal aber auch etwas mehr. Die nicht erkrankten Partner sind somit oft in einer „Doppelrolle“: Zum einen sind sie für den erkrankten Partner die wichtigste Quelle emotionaler und praktischer Unterstützung, zum anderen sind sie aber auch selber belastet und bräuchten eigentlich auch Unterstützung. Somit ist es wichtig, auch als Angehöriger auf die eigene seelische und körperliche Gesundheit zu achten. Oft sehen wir einen Rückzug von sozialen oder sportlichen Aktivitäten. Dies betrifft nicht nur die Patienten, sondern oft auch die Angehörigen. Hilfreich kann es daher sein, weiter Aktivitäten nachzugehen, die angenehm sind (z. B. Sport oder Vereinstätigkeit) oder sich mit anderen austauschen zu können (z. B. im Rahmen von Selbsthilfegruppen für Angehörige oder mit Freunden).

Wichtig ist dabei sich mit dem Partner auszutauschen, z. B. über die Frage, wie viel Unterstützung notwendig ist, welche Erwartungen da sind, aber auch über die eigenen Gefühle und Ängste zu reden. Auch für Patienten kann es entlastend sein, den Angehörigen im Umgang mit eigenen Belastungen zu helfen. Problematisch kann es sein, wenn Angehörige sich „plötzlich“ abgrenzen, ohne mit den Patienten zu sprechen. Dies könnte fälschlicherweise signalisieren, dass sie sich nicht mehr für die Patienten interessieren oder es ihnen lästig wird und sie somit die psychische Belastung bei den Patienten erhöhen. (TZ)

Was kann ich als Partner meiner erkrankten Frau abnehmen?

Es gibt keine Pauschallösung über die Aufgaben, die Partner ihren erkrankten Frauen abnehmen können. Oft kommt es zu einem Rollentausch, d. h. der nicht erkrankte Partner übernimmt die Aufgaben (oder Teile davon) des erkrankten Partners. Dies kann den Haushalt betreffen, aber auch andere Bereiche. Viele Frauen erleben es auch als entlastend, wenn die Partner sie zu Arztterminen begleiten. Wichtig ist, miteinander zu sprechen, welche Unterstützung hilfreich ist. Sie sollten den anderen direkt fragen, welche Aufgaben Sie übernehmen können. Es kann sein, dass sich dies im Laufe der Erkrankung und Behandlung verändert und Ihre Frau wieder Aufgaben übernehmen möchte. Auch hierüber sollten Sie sich austauschen. Viele Frauen wünschen sich auch, dass die Partner ihnen zuhören, wenn sie über ihre Ängste und Sorgen sprechen, ohne gleich Lösungen zu präsentieren. Ebenfalls erleben es viele Frauen als hilfreich, wenn auch die Partner über ihre Ängste und Sorgen sprechen und diese nicht vor ihnen verbergen. (TZ)

Seit Ausbruch der Erkrankung hat sich mein erkrankter Partner sehr verändert. Wie soll ich damit umgehen?

Für Angehörige ist es oft eine enorme psychische Anpassungsleistung, die Veränderungen durch eine Erkrankung beim Partner wahrzunehmen, zu akzeptieren, in die Beziehung zu integrieren und damit umgehen zu lernen. Dies kann sehr belastend sein und auch Gefühle wie Wut, Ärger, Schuldgefühle, Angst oder Trauer und Verlustängste hervorrufen. Informationen z. B. im Arztgespräch können hilfreich sein, um zu klären, ob die Veränderungen des Partners mit der Erkrankung und/oder Behandlung zusammenhängen und vorübergehend oder von Dauer sind.

Viele Paare berichten: „Wir wollten noch so viel machen, haben noch so viel vorgehabt in unserem Leben. Und jetzt geht das nicht mehr …“ Oft suchen Angehörige nach Lösungen für die Situation. Allerdings gibt es eine Reihe von Situationen, die vermutlich nicht veränderbar sind. Hier kann eine „akzeptierende Haltung“ hilfreich sein, also z. B. zu akzeptieren, dass sich vieles verändert hat und dass das auch mit vielem Negativen verbunden ist. Meistens versuchen wir gegen die negativen Gefühle anzukämpfen. Dies führt aber eher dazu, dass sie noch stärker werden oder noch andere negative Gefühle dazu kommen. Wenn Sie z. B. wütend auf Ihren Partner sind, kann es sein, dass Sie das nicht zulassen wollen und sich dann vielleicht auch noch schuldig fühlen. Es ist jedoch ganz normal, auch negative Gefühle zu haben. Wenn es gelingt, die negativen Gefühle zuzulassen und zu akzeptieren, dass sie da sind, verringert das oft die Anspannung. (TZ)

Wie sehr darf man sich als Partner in die „Maßnahmen“, die der Erkrankte ergreift, einmischen?

In einer Partnerschaft haben Sie natürlich auch das Recht, Ihre Meinung zu äußern. Es kann jedoch sein, dass der andere „Maßnahmen“ ergreift, die für die Angehörigen nicht nachvollziehbar sind, z. B. gesundheitsschädliches Verhalten oder sich nicht an die Therapieempfehlungen halten. Dies kann bei Angehörigen zu Wut oder aggressivem Verhalten führen. Ein offenes Gespräch mit dem Partner kann dabei helfen, die Sichtweise des anderen besser verstehen und Entscheidungen besser nachvollziehen zu können. (TZ)

Wie erkläre ich meinem zehnjährigen Kind, dass ich eine tödliche Krankheit habe?

Kinder müssen die Informationen ihrem Alter und Reifungsgrad angemessen erhalten. Das Wichtigste ist, die Kinder nicht zu belügen. Daher sollte die Erkrankung auch beim Namen genannt werden und Begriffe wie „Krebs“ oder „Tumor“ nicht vermieden werden. Konkretes Anschauungsmaterial wie Broschüren, Bücher oder Zeichnungen können hilfreich sein. Wichtig ist, den Kindern auch zu sagen, welche Auswirkungen die Erkrankung auf den Alltag des Kindes haben wird und wer sich eventuell kümmern wird (z. B.: „Nach der Schule kannst du zum Mittagessen zu Oma gehen. Mama wird nicht kochen können.“).

Wenn abzusehen ist, dass der Tod eines Elternteils in absehbarer Zeit (einigen Tagen) zu erwarten ist, sollten Kinder darauf vorbereitet werden. Dies ist für Eltern eine sehr schwere Aufgabe. Auch hier ist die Empfehlung, möglichst konkret zu sein und Umschreibungen wie „Papa wird bald für immer schlafen“ zu vermeiden, da Kinder dadurch Ängste vor dem eigenen Schlafengehen entwickeln könnten. Daher sind Formulierungen wie: „Leider habe ich keine guten Nachrichten und muss dir etwas sehr Trauriges sagen. Mama wird bald sterben. Der Krebs konnte nicht mehr behandelt werden.“ Oft kann es sein, dass Kinder im ersten Augenblick nichts dazu sagen. Dann kann es hilfreich sein, nach Gefühlen zu fragen, wie z. B.: „Hast du Angst?“. Dem Kind sollte Raum für Fragen und Gefühle gegeben werden. Bei älteren Kindern kann es auch sein, dass die Kinder beim Versterben dabei sein wollen. Es kann aber auch vorkommen, dass Kinder den versterbenden Elternteil nicht mehr sehen wollen. Auch dies sollte respektiert werden. (TZ)