Multiples Myelom

Fragen und Antworten zur Behandlung

Worin unterscheiden sich Konsolidierungs- und Erhaltungstherapie? Wie kann ich entscheiden, was für mich am besten ist?

Unter einer „Konsolidierungs- bzw. Erhaltungstherapie“ versteht man Therapiekonzepte, die z. B. einer autologen Stammzelltransplantation (ASZT) nachgeschaltet sind. Eine Konsolidierungstherapie wird üblicherweise etwas intensiver, eine Erhaltungstherapie etwas moderater, d. h. „sanfter“ durchgeführt. Typische Beispiele einer Konsolidierung sind Behandlungen mit z. B. niedrig dosierter Kombination der Medikamente Bortezomib, Thalidomid und Dexamethason (sogenannte VTD) oder Bortezomib, Cyclophosphamid und Dexamethason (VCD) oder eine Kombination von Bortezomib, Lenalidomid und Dexamethason (VRD) oder anderen. In der Erhaltungstherapie wird üblicherweise Lenalidomid, Bortezomib, Thalidomid oder andere eingesetzt. Typisch ist auch, dass eine Konsolidierung kürzer ist und z. B. zwei bis drei Zyklen umfasst, während eine Erhaltungstherapie länger andauert, d. h. über ein bis zwei Jahre, bis zur bestmöglichen Verträglichkeit oder bis zum Fortschreiten der Erkrankung durchgeführt wird. Welches dieser Erhaltungskonzepte das beste Vorgehen darstellt, wird weiter in Studien überprüft. (ME)

Sind VCD- und VRD-Behandlung unterschiedlich in der Wirksamkeit?

Beide Konsolidierungstherapien werden in Studien weiter untersucht und erscheinen mit hohen Ansprech­raten von über 80 bis 85 % durchaus vergleichbar. (ME)

Warum gibt es zu fast allen Therapien Kortison? Sind Spätfolgen zu erwarten? Wenn ja welche? Ist eine Therapie ohne Kortison möglich?

Kortison hat eine additive, d. h. zusätzliche Wirkung und erhöht, in Verbindung mit den in der MM-Behandlung eingesetzten Medikamenten die Ansprechrate der Therapie. Dies konnte in verschiedenen Untersuchungen nachgewiesen werden. Zudem werden heute deutlich geringere Dosierungen, d. h. ein Viertel der zuvor üblichen Kortisondosis, gegeben, sodass der additive Effekt erreicht, aber die anfangs höhere Nebenwirkungsrate von Kortison deutlich vermindert wird. Eine Therapie ohne Kortison wird heute z. B. bei Erhaltungstherapien durchgeführt, da in Studien nachgewiesen werden konnte, dass das Ansprechen auf eine Therapie mit z. B. Lenalidomid mit Kortison oder ohne Kortison ähnlich, die Nebenwirkungsrate ohne Kortison jedoch günstiger war. Spätfolgen bzw. Nebenwirkungen wie Infekte, Schlaflosigkeit, Appetit- und Gewichtssteigerung konnten somit verhindert werden. (ME)

Was kann ein Orthopäde tun, um mir bei solchen Problemen zu helfen?

Die wesentlichen Aufgaben eines auf MM-Patienten spezialisierten Orthopäden sind: die Beurteilung der Knochenstabilität, die Beratung, welche körperlichen oder auch sportlichen Aktivitäten (weiterhin) möglich sind und dazu beizutragen, das Risiko eines Knochenbruches zu minimieren. Bei ausgedehnterem Myelombefall und/oder bereits eingetretenen Frakturen kann der Orthopäde z. B. durch eine aktive Rumpf-Orthese oder (semi-)rigide Versorgung möglicherweise eine Schmerzlinderung erzielen. Bei größeren stabilitätsgefährdenden Osteolysen (Knochenschädigungen) schließt die Beratung operative Möglichkeiten mit ein. Insbesondere, wenn die Osteolysen im Bereich der Beine lokalisiert sind. Ein eingetretener Knochenbruch mit dann notwendiger Operation schränkt die Lebensqualität in aller Regel deutlicher ein, als eine vorbeugende Operation, z. B. die Implantation eines Marknagels. (GH)

Welche Möglichkeiten der Operation gibt es?

Die Entscheidung, ob man Sie operiert oder andere, sogenannte konservative Methoden wählt, ist abhängig vom Untersuchungsergebnis und wird gemeinsam mit anderen Ärzten, die auf die Behandlung des Myeloms spezialisiert sind, getroffen. Selbstverständlich wird auch Ihr Wunsch dabei berücksichtigt. Konservative, d. h. nicht operative Maßnahmen reichen von der einfachen Empfehlung der Gewichtsabnahme sowie der Meidung von Stauch- und Stoßbelastungen bis hin zur Empfehlung zum Tragen von z. B. Rumpf­orthesen unterschiedlicher Machart. Operative Maßnahmen sind immer in ein Therapiekonzept mit internistischer und strahlentherapeutischer Behandlung eingebunden. Bei größeren Osteolysen, z. B. im Bereich des Hüftgelenkes, werden beispielsweise Prothesen implantiert, bei stabilitätsgefährdenden Osteolysen der langen Röhrenknochen der Extremitäten werden sogenannte Marknägel eingesetzt.

Minimalinvasive Operationen, d. h. Operationen mit kleinsten Schnitten, können geeignete Maßnahmen bei Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule sein. So z. B. die Kyphoplastie, eine operative Therapie bei schmerzhaften Brüchen der Wirbelkörper, oder die Vertebroplastie, d. h. das Einbringen von Knochenzement in den gebrochenen Wirbel. Die Stabilisierung von Wirbelkörpern mit einem internen Fixateur bleibt im Wesentlichen größeren, lokalisierten Osteolysen der Wirbelsäule mit Bruchgefahr vorbehalten. Das Verfahren wird z. B. auch bei eingetretenem Wirbelbruch mit Rückenmarkskompression eingesetzt. Auch diese Verfahren können heutzutage oft minimal­invasiv durchgeführt werden. (GH)

Wie wird nach dem zweiten oder dritten Rezidiv weiter behandelt?

Die Behandlung erfolgt abhängig von der Vortherapie, dem Ansprechen auf bisher eingesetzte Therapeutika und dem Risikoprofil des Patienten und seiner Erkrankung. Darüber hinaus spielt es eine Rolle, welche Studien aktuell an einem Zentrum, wie z. B. einer Universitätsklinik oder einem Myelom-Tumorzentrum durchgeführt werden, d. h., welche neuen Medikamente für den Patienten zur Verfügung stehen. (ME)

Mit welchen Langzeitfolgen der Therapie muss ich rechnen?

Langzeitfolgen der Therapie können z. B. Nervenstörungen (Polyneuropathie), Appetitlosigkeit oder Verstimmung/Depression sein. Helfen können in diesem Fall die vielfältigen Angebote in Kliniken und Praxen, über die Sie sich mit Ihren Therapeuten unterhalten sollten. Auch Selbsthilfegruppen, Patienten- und Angehörigentage, Fortbildungsveranstaltungen, Patientenbroschüren und Telefonaktionen helfen konkret, um das Thema ausführlich zu besprechen und Tipps von Pflegeexperten, Ärzten, Ernährungstherapeuten, Neurologen und vielen anderen Experten zu erfahren. (ME)

Mit welcher Komplementärmedizin kann ich meine Erkrankung während und nach der Behandlung unterstützen?

Es ist leider schwierig, Ihnen eine Empfehlung zu geben, da es hierzu bisher keine gesicherten Daten gibt. Zum einen gibt es Maßnahmen, die für Sie angenehm sein können, von denen vermutlich zumindest keine Gefahr ausgeht, wie z. B. bestimmte körperliche Übungen. Zum anderen können Substanzen, die verabreicht werden, sehr wohl auch Risiken bergen. So kann beispielsweise die Wirkung von Bortezomib, einem der wichtigsten MM-Medikamente, vollständig oder teilweise blockiert werden, wenn Sie grünen Tee trinken, d. h. diese Therapie würde nicht mehr wirken. Am besten sprechen Sie mit Ihrem Arzt, bevor Sie komple­mentärmedizinische Substanzen einnehmen oder Maßnahmen ergreifen. (HS)

Wie sieht es mit Impfungen aus? Welche sind für mich notwendig?

Das Problem bei Impfungen ist, dass Ihr Immunsystem, das durch eine Impfung gestärkt werden soll, durch die Erkrankung unterdrückt ist. Das heißt, möglicherweise nützt Ihnen eine Impfung weniger als anderen Menschen. Deshalb ist es sinnvoll, insbesondere bei der Grippeschutz­impfung, dass auch Menschen, mit denen Sie Kontakt haben, geimpft sind. Grundsätzlich halten wir Impfungen gegen Pneumokokken (Erreger von Lungenentzündungen) und gegen die saisonale Grippe für sinnvoll. Nach einer Stammzelltransplantation existieren noch weitreichendere, spezielle Empfehlungen, die Sie mit Ihrem Transplantationszentrum besprechen sollten. (HS)

Wie kann ich mein Immunsystem stärken

Grundsätzlich möchte ich daran erinnern, dass beim aktiven MM das Immunsystem Ihr Feind ist. Jedweder Versuch das gesunde Immunsystem zu stärken, birgt die Gefahr etwas Falsches zu tun. Deshalb halte ich es für wichtiger, das gesunde Immunsystem nicht noch weiter zu schwächen. Sie sollten also auf übermäßigen Genuss von Tabak und Alkohol verzichten. Hilfreich sind sicherlich eine gesunde Ernährung und, je nach Möglichkeit, regelmäßige sportliche Betätigung. (HS)