Multiples Myelom

Fragen und Antworten zur Erkrankung

Was macht das multiple Myelom mit meinem Körper?

Das multiple Myelom ist eine Krebserkrankung, die bestimmte Zellen Ihres Immunsystems, die sogenannten Plasmazellen, betrifft.

Das multiple Myelom ist eine Krebserkrankung, die bestimmte Zellen Ihres Immunsystems, die sogenannten Plasmazellen, betrifft.

Plasmazellen entstehen im Knochenmark und gehören zur Gruppe der weißen Blutkörperchen. Diese Zellfamilie spielt eine große Rolle im körpereigenen Immunsystem. Plasmazellen sind besonders bei der Bekämpfung von Krankheitserregern wichtig. Sie produzieren Antikörper, die auch Immunglobuline genannt werden. Antikörper helfen dabei, die Krankheitserreger zu entfernen.

Wenn eine Plasmazelle entartet, kann aus dieser eine bösartige Myelomzelle entstehen. Myelomzellen vermehren sich sehr schnell und unkontrolliert im Knochenmark. Alle weiteren Myelomzellen bilden sich meist aus dieser einen entarteten Plasmazelle.

Die Myelomzellen produzieren meist weiterhin Antikörper, die aber ihre Funktion in der Immunabwehr verloren haben. Diese funktionslosen Antikörper werden auch Paraproteine genannt und können bei Ihnen im Blut und im Urin gemessen werden.

Durch das unkontrollierte Wachstum der Myelomzellen im Knochenmark verdrängen sie den Platz für andere wichtige Zellen, die ebenfalls dort gebildet werden. Zusätzlich beeinflussen die Myelomzellen auch den Knochenstoffwechsel, sodass der Abbau der Knochen verstärkt wird. Dadurch kann es zu erheblichen Knochenproblemen kommen, wie einer verringerten Knochendichte (Osteopenie) oder lokalen Stellen mit einem verstärkten Abbau der Knochensubstanz (Osteolyse). Diese Knochenveränderungen können zu Brüchen führen. Außerdem können Sie Knochenschmerzen auch durch die Verdrängung anderer Knochenmarkzellen spüren.

 

 

Das multiple Myelom hat somit drei besondere Merkmale:

  • Vermehrung von Myelomzellen im Knochenmark
  • Produktion von Paraproteinen
  • Entstehung von Knochenproblemen durch Osteopenie und Osteolysen

 

Ursachen

Die Ursachen für die Entstehung des multiplen Myeloms sind noch weitgehend ungeklärt. Die Forschung in diesem Bereich arbeitet momentan intensiv daran, mögliche Ursachen und Risikofaktoren der Erkrankung zu identifizieren.

 

Risikofaktoren

  • Genetik

Es gibt einige Hinweise darauf, dass Veränderungen im Erbgut bei Myelom-Patienten zum Teil auch das Risiko bei Verwandten ersten Grades erhöhen können. Generell handelt es sich aber nicht um eine vererbbare Krankheit.

  • Umweltfaktoren

Gifte wie Dieselruß, Pestizide oder Lacke und Farben sind mit einem erhöhten Risiko, an einem multiplen Myelom zu erkranken, assoziiert. So weisen beispielsweise Landwirte und -arbeiter ein erhöhtes Risiko auf.

  • Strahlung

Generell gilt, dass schädigende Strahlung Veränderungen im Erbgut verursacht und dadurch auch zu einer Entartung der Plasmazelle führen kann. So fand man beispielsweise eine erhöhte Erkrankungsrate bei Überlebenden der Atombomben in Hiroshima und Nagasaki.

Wie ist das multiple Myelom verbreitet?
    • Das multiple Myelom ist der häufigste Knochenmarkkrebs in den westlichen Ländern. Pro Jahr erkranken in Deutschland etwa 4 – 6 Menschen pro 100.000 Einwohner am multiplen Myelom.

 

    • Das multiple Myelom tritt bei Männern etwas häufiger auf als bei Frauen. Es wurde gezeigt, dass Männer ungefähr 1,3-mal eher an der Erkrankung leiden als Frauen.

 

    • Allgemein nimmt die Erkrankungswahrscheinlichkeit mit dem Alter zu. Im Schnitt ist der Betroffene zum Zeitpunkt der Diagnose ca. 70 Jahre alt.

Quelle: (Kaatsch P. et al. Krebs in Deutschland 2011/2012 – Kapitel 3.27 Multiples Myelom, S. 126, Robert Koch-Institut, Berlin 2015).

Wie diagnostiziert mein Arzt das multiple Myelom?

Blut- und Urinanalyse

Mithilfe einer Blut- und Urinuntersuchung kann Ihr Arzt die durch die Myelomzellen gebildeten Paraproteine nachweisen. Paraproteine, die im Blut gemessen werden, nennt man M-Proteine. Sie werden durch ein bestimmtes Laborverfahren, große Menge des M-Proteins gemessen werden. Paraproteine, die im Urin aufzufinden sind, nennt man dagegen Bence-Jones-Proteine.

 

Knochenmarkpunktion und -biopsie

Mit einer Probe des Knochenmarks (Knochenmarkpunktion/-biopsie), des Bildungsorts der Myelomzellen, kann Ihr Arzt die Myelomzellen sowie andere Bestandteile des Knochenmarks untersuchen. Außerdem gibt eine Untersuchung des Knochenmarks Aufschluss darüber, wie weit die Myelomzellen in das Knochenmark vorgedrungen sind und wie sie genau aussehen. Bei einer Knochenmarkpunktion wird ein kleiner Anteil Ihres Knochenmarks (wenige Milliliter) aus dem Bereich des Beckenknochens unter einer lokalen Betäubung entnommen. Um die Proben zu gewinnen, wird eine Nadel in das Knochenmark eingeführt. Der Arzt saugt nun wenige Milliliter der Gewebsflüssigkeit heraus – diesen Vorgang nennt man Aspiration. Bei einer Knochenmarkbiopsie entfernt Ihr Arzt einen kleinen Bereich Ihres Knochens (wenige Millimeter) – diesen Vorgang nennt man Stanze.

 

Bildgebende Verfahren

Mit Verfahren wie dem Röntgen, der Magnetresonanztomographie (MRT) und der Computertomographie (CT) kann Ihr Arzt die Knochen und ihre Veränderungen durch das multiple Myelom untersuchen. Diese Verfahren benötigen in der Regel keine Eingriffe in Ihren Körper.

Wie äußert sich das multiple Myelom in meinem Körper?

Im Allgemeinen werden die Folgen des multiplen Myeloms recht spät bemerkt, da Sie zu Beginn der Erkrankung oft keine Beschwerden spüren. Zudem sind die Symptome, die bei einer fortgeschrittenen Erkrankung auftreten, sehr unspezifisch und lassen damit auf viele mögliche Ursachen schließen.

 

Für Ihren Arzt ist vor allem das Vorhandensein der sogenannten CRAB-Kriterien ausschlaggebend dafür, ob die Erkrankung symptomatisch ist. Dabei definieren folgende vier Kriterien ein symptomatisches multiples Myelom:

C = Kalzium-Erhöhung im Blut (C für calcium*)
R = Funktionsstörung der Nieren (R für renal*)
A = Blutarmut (A für Anämie)
B = Knochenkomplikationen (B für bone*)

* Englisch

Sind diese Kriterien vorhanden, entstehen häufig einige der folgenden Symptome:

 

Knochenschmerzen

Knochenschmerzen gehören zu den häufigsten Symptomen des multiplen Myeloms. Denn durch das unkontrollierte Wachstum der Myelomzellen verdrängen sie den Platz für andere wichtige Zellen des Knochenmarks. Außerdem produzieren sie Substanzen, welche die knochenabbauenden Zellen aktivieren, und hemmen die Zellen, die für den Knochenaufbau zuständig sind. Die Folge ist eine verringerte Knochendichte (Osteopenie) und zum Teil ein verstärkter Abbau der Knochensubstanz (Osteolyse), was wiederum zu einer geschwächten Knochenstabilität führt. Die Knochenschmerzen, die durch die Folgen der verringerten Knochenstabilität entstehen können, würden Sie dann vor allem im Bereich der Rippen, der Wirbelsäule und des Beckens spüren, da in diesen Knochen besonders viel Knochenmark vorhanden ist.

 

Müdigkeit und Erschöpfung

Es kann vorkommen, dass Sie sich oft müde und kraftlos fühlen. Denn durch die rasche Vermehrung der Myelomzellen im Knochenmark werden andere darin gebildete Blutkörperchen verdrängt. Ein Mangel an dem roten Blutfarbstoff Hämoglobin und an roten Blutkörperchen kann dabei zu einer Blutarmut (Anämie) führen. Typische Anzeichen einer Anämie spüren Sie, wenn Sie erschöpft und müde sind oder Ihnen schwindelig ist. Außerdem kann es auch vorkommen, dass Ihnen Ihr Atem sehr kurz erscheint. Diese Kurzatmigkeit spüren Sie möglicherweise besonders dann, wenn Sie körperlich aktiv sind, wie beispielsweise beim Treppensteigen. Auch das Kalzium, das in den Knochen gespeichert ist, kann bei Freisetzung zu Müdigkeit und Benommenheit führen. Grund für die erhöhte Kalziumfreisetzung ist der verstärkte Abbau der Knochensubstanz durch die Myelomzellen.

 

Nierenprobleme

Vielleicht spüren Sie auch ein verstärktes Durstgefühl, Appetitlosigkeit oder Übelkeit oder Ihnen ist aufgefallen, dass Ihre Harnmenge weniger geworden ist. All diese Symptome sind Anzeichen für Nierenprobleme. Diese können durch die vermehrte Freisetzung von Kalzium und Paraproteinen entstehen. Die Nierenkanälchen verstopfen aufgrund der übermäßigen Konzentration beider Stoffe, wodurch die Nierenfunktion stark eingeschränkt wird. Deswegen werden Abbauprodukte des Stoffwechsels nur verzögert ausgeschieden und verweilen länger im Blutkreislauf. Aus diesem Grund ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr beim multiplen Myelom besonders wichtig.

 

Mögliche Begleiterscheinungen:

Viele Betroffene leiden aufgrund der zahlreichen körperlichen Auswirkungen des multiplen Myeloms unter Begleiterscheinungen. Achten Sie bei sich selbst auf mögliche Veränderungen während der Behandlung. Zögern Sie nicht, Ihre Beobachtungen direkt bei Ihrem Arzt / Ihrer Ärztin anzusprechen, damit mögliche Begleiterkrankungen rechtzeitig erkannt werden.

 

Infektionen
Die Verdrängung der weißen Blutkörperchen aus dem Knochenmark und die verringerte Produktion funktionsfähiger Antikörper in den Myelomzellen können zu einem geschwächten Immunsystem führen. Deshalb kann es sein, dass Sie öfter an Infektionen leiden.

 

Amyloidose
Darunter versteht man eine Erkrankung, bei der es zu einer Ablagerung von Teilen der funktionslosen Antikörper in den Organen kommt, die zu Organschäden führen kann. Die Symptome der Amyloidose sind sehr unterschiedlich.

 

Fatigue-Syndrom
Dieses Syndrom entsteht durch eine Ansammlung unterschiedlicher Symptome wie Müdigkeit, allgemeines Desinteresse oder Schwäche und drückt sich in einer sehr starken, dauerhaften Erschöpfung aus. Diese Art der Erschöpfung kann nicht durch Erholung und Schlaf behoben werden. Das Fatigue-Syndrom kommt bei Tumorerkrankungen häufig vor.