Multiples Myelom

Fragen und Antworten zur Behandlung

Welche Möglichkeiten haben mein Arzt und ich, um das multiple Myelom zu behandeln?

Bei der Behandlung des multiplen Myeloms gibt es mittlerweile eine ganze Reihe verschiedener Substanzklassen und Behandlungsmethoden.

 

Systemische Therapie

Unter diesem Begriff fasst man Wirkstoffe zusammen, welche die bösartigen Myelomzellen abtöten oder deren Wachstum und Vermehrung verhindern. Dabei werden bei einer systemischen Therapie die Medikamente verschiedener Substanzklassen oft in bestimmten Kombinationen gegeben, teilweise aber auch allein verabreicht. Ihr Arzt wird die für Sie persönlich am besten geeignete Behandlung anhand verschiedener Kriterien auswählen.

 

Zytostatika
Sie sind Bestandteil der klassischen Chemotherapie und wirken auf sich teilende Körperzellen. Dies geschieht, indem sie die Teilungsprozesse in der Zelle verzögern oder verhindern. Das bedeutet, dass Zytostatika einerseits gut gegen die sich schnell teilenden Myelomzellen wirken, aber andererseits auch auf andere, gesunde Körperzellen, die sich schnell teilen. Dies ist auch der Grund dafür, dass es bei einer Therapie mit Zytostatika zu Haarausfall kommt. Denn Haarwurzelzellen sind ein Beispiel für sich schnell teilende Körperzellen.

 

Proteasominhibitoren
Diese Medikamentenklasse blockiert vor allem die Proteasomen in den Myelomzellen. Dies sind bestimmte Proteine, die für den Abbau alter, funktionsloser Proteine zuständig sind. Man könnte das Proteasom deswegen auch als Abfalleimer der Zelle bezeichnen. Eine Blockade der Proteasomen durch die Proteasominhibitoren führt dazu, dass sich die Abfallstoffe in der Zelle ansammeln, so dass die Zelle abstirbt. In Myelomzellen sind besonders viele funktionslose Proteine (Antikörper) enthalten.

 

Immunmodulatoren
Die Substanzen dieser Gruppe leiten sich alle von einem Wirkstoff namens Thalidomid ab. Dieser Wirkstoff und seine Weiterentwicklungen zu anderen Immunmodulatoren können das Immunsystem beeinflussen und Tumoren in ihrem Wachstum hemmen.

 

Monoklonale Antikörper
Mithilfe dieser speziellen Antikörper, die sich an Strukturen der Myelomzellen heften, kann die körpereigene Abwehr gegen die bösartigen Zellen gerichtet werden. Dadurch leiten die monoklonalen Antikörper den Zelltod oder die Wachstumshemmung der Krebszellen ein.

 

Immunsuppressoren
Unter diesem Begriff werden unterschiedliche Wirkstoffe zusammengefasst, die das Immunsystem auf verschiedene Weisen unterdrücken können. Die Immunsuppressoren spielen eine wichtige Rolle bei der Stammzelltransplantation, können aber auch die Wirksamkeit anderer Medikamente steigern.

 

Histon-Deacetylase-Inhibitoren (HDAC-Inhibitoren)
Eine weitere Wirkstoffklasse in der Krebsbehandlung sind die Histon-Deacetylase-Inhibitoren. Diese Wirkstoffe blockieren bestimmte Enzyme, die für die Steuerung grundlegender Zellprozesse wichtig sind. Durch die Blockade dieser Enzyme findet beispielsweise keine Zellteilung mehr statt, wodurch die Zellen sterben.
Manche dieser Medikamente werden Ihnen in Tablettenform und andere als Infusion oder Injektion verabreicht. Die Behandlung erfolgt meist in Zyklen und ambulant.

 

Bestrahlung

Durch eine Bestrahlung können Körperregionen, die bei Ihnen stark unter einer Knochenzerstörung durch die Myelomzellen leiden, von diesen befreit werden. Die Strahlenbehandlung wird oft zur Nachbehandlung nach einer operativen Entfernung eines Myelomherds eingesetzt. Zudem ist diese Behandlung auch dann geeignet, wenn Sie eine schnelle Schmerzlinderung in bestimmten Bereichen des Körpers benötigen.

 

 

Autologe Stammzelltransplantation

Bei der autologen Stammzelltransplantation werden mithilfe einer sehr starken Chemotherapie (Hochdosistherapie) möglichst alle Myelomzellen zerstört. Die Hochdosistherapie ist sehr effektiv, hat aber den Nachteil, dass auch alle anderen Zellen des Knochenmarks und somit Ihres Blutes und Ihres Immunsystems zerstört werden. Deswegen werden Ihnen anschließend Blutstammzellen transplantiert, welche die Regeneration des gesunden Knochenmarks fördern. Das Therapieverfahren erfolgt in mehreren Schritten:

 

1. Begonnen wird mit einer sogenannten Induktionstherapie, bei der die Menge der Myelomzellen reduziert werden soll.

 

2. Als Vorbereitung auf die Gewinnung der Blutstammzellen werden diese zunächst mobilisiert. Dafür werden Ihnen Wachstumsfaktoren gespritzt, welche die Blutstammzellen aus dem Knochenmark ins Blut locken.

 

3. Als Nächstes werden die angereicherten Stammzellen gefiltert und entnommen.

 

4. Um möglichst viele Myelomzellen zu töten, erfolgt nun die Hochdosistherapie. Diese zerstört auch das gesamte Knochenmark.

 

5. Deswegen werden in einem letzten Schritt die gewonnenen Blutstammzellen wieder an den Körper zurückgegeben, um dann die Regeneration des Knochenmarks zu fördern.

Was kann ich mit der Therapie des multiplen Myeloms erreichen?

Dank der Erkenntnisse der modernen Medizin kann das Fortschreiten Ihrer Erkrankung stark hinausgezögert werden. Leider kann die Krankheit dadurch jedoch noch nicht geheilt werden. Grundsätzlich verfolgen Sie zusammen mit Ihrem Arzt drei verschiedene Ziele bei der Therapie des multiplen Myeloms:

 

1. Remission

Darunter versteht man das vorübergehende Zurückdrängen der Erkrankung. Die Tiefe der Remission bezeichnet dabei den Grad des Zurückdrängens der Krankheit und somit die Stärke (oder Tiefe) des Ansprechens auf die Therapie. Bei der Behandlung des multiplen Myeloms spielt die Tiefe der Remission eine große Rolle für den Behandlungserfolg. Denn je stärker die Krankheit zurückgedrängt wird, desto länger dauert es bis zum Wiederauftreten der Erkrankung.

 

2. Stabilisierung

Um lebensbedrohliche Situationen durch die Krankheit zu verhindern, ist es wichtig, den Krankheitsstatus zu stabilisieren – also das Fortschreiten der Erkrankung aufzuhalten.

 

3. Linderung

Um die verschiedenen Beschwerden des multiplen Myeloms und seiner Begleiterkrankungen zu lindern, ist die bestmögliche Behandlung der Symptome eines der wichtigsten Ziele.

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